Pressemeldung

Alt sein gibt’s nicht“

03.11.2018 - Von: Torsten Weigelt

Andreas Hett, Jonas Lucht und Jacqueline Nohl (von links) präsentieren den Pappaufsteller mit Frau Herbert und Herrn Hörner. Foto: Michael Schick

Andreas Hett hat mit einer Gruppe angehender Erzieherinnen und Erzieher der Ketteler-LaRoche-Schule in Oberursel einen Film gedreht. Der war nun sogar schon bei einem Festival zu sehen.

Frau Herbert und Herr Hörner waren immer mit dabei. Der lebensgroße Pappaufsteller mit dem Foto des Paares, das sich im Altersheim kennen und lieben gelernt hat, begleitete die angehenden Erzieherinnen und Erzieher der Ketteler-LaRoche-Schule zu allen ihren Interviews. So hatten sie einen originellen Aufhänger für ihre Leitfrage „Wann ist man denn alt?“ Und eine Struktur für den gleichnamigen Film, der daraus entstanden ist. Zumal Frau Herbert und Herr Hörner darin am Ende auch selbst zu Wort kommen. „Alt – das gibt’s doch gar nicht“, finden die 79-Jährige und der 93-Jährige.

Jüngst haben die Studierenden und ihr Lehrer Andreas Hett den Film beim Europäischen Filmfest der Generationen in Frankfurt präsentiert, am kommenden Mittwoch ist er im Oberurseler Rathaus zu sehen. Kunsttherapeut Hett hat bereits Erfahrung als Filmemacher. 2017 ist er beim „Deutschen Generationen Filmpreis“ für seinen Beitrag „Wir spielen, damit wir nichts vergessen“ ausgezeichnet worden.

An der Ketteler-LaRoche-Schule bringt er den angehenden Erziehern üblicherweise bei, wie man Kindergartenkinder an den Umgang mit Medien heranführt. Dabei werde manchmal auch ein kurzer Film gedreht, schildert Hett. Doch das reichte den 25 jungen Leuten in seiner Klasse diesmal nicht. Nachdem sie seinen preisgekrönten Erstling gesehen hatten, wollten sie auch selbst einen „großen Film“ drehen.

Hett ließ sich breitschlagen. „Ich mache gerne Dinge, von denen ich nicht so genau weiß, wo sie hinlaufen“, sagt der Kunsttherapeut. Allerdings reichten die obligatorischen drei Stunden Unterricht pro Woche bei weitem nicht aus, um das Projekt zu stemmen. Es sei eine „stressige Zeit“ gewesen, schildert Jonas Lucht, einer der jungen Filmemacher. Doch es habe sich gelohnt. „Ich würde es jederzeit wieder machen“, ergänzt seine Mitschülerin Jacqueline Nohl.

Elf Interviews für Film geführt

Für den einstündigen Film haben die beiden 21-Jährigen und ihre Mitstreiter elf Interviews mit Menschen aller Altersgruppen geführt – vom Sechsjährigen aus der Kindertagesstätte Zauberwald über einen jungen Leistungssportler und eine Museumspädagogin bis hin zu Frau Herbert und Herrn Hörner. Herausgekommen sei „ein Spaziergang durch ein ganzes Menschenleben“, sagt Jonas Lucht. Den Gesprächspartnern habe man vorher bewusst nicht gesagt, worum es geht, erläutert Jacqueline Nohl. So seien die Antworten spontaner und emotionaler geworden.

Ziel sei es ohnehin nicht gewesen, dem Zuschauer fertige Antworten auf die Frage nach dem Altwerden zu liefern, betont Andreas Hett, sondern ein Anstoß, selbst darüber nachzudenken. Die Interviews haben die Studenten selbst gefilmt, den Schnitt habe er übernommen, so Hett. Dabei musste er die zum Teil mehr als 30 Minuten langen Interviews auf jeweils drei bis vier Minuten zusammenkürzen. Eine Heidenarbeit. In der Schlussphase habe er manchmal bis morgens um halb vier vor dem Rechner gesessen. „Das war schon grenzwertig“, sagt Hett.

Aber auch er ist stolz auf das Ergebnis. Das Projekt sei nur möglich gewesen, weil es an der Ketteler-LaRoche-Schule einen großen Freiraum gebe. Umgekehrt sei es aber auch dem Unterricht zugute gekommen, lobt Schulleiterin Gabriele Frank. „Das war Teambuilding im besten Sinne.“