Pressemeldung

Noch etwas blass um die Nase

05.01.2012 - Von: Alexander Schneider Oberursel Taunuszeitung

Ein Mops ohne Namen, ein Bus für drei Schrumpfköpfe und Aber das wird sich ändern, denn Rebecca und ihre Künstlerkollegen wollen ihre Figuren auch anmalenSpeckstein-Schaschlik – beim Bildhauerworkshop in der Werkstatt "Kunsttäter" sind der kindlichen Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Der Mops von Rebeccas Oma heißt "Moses". Ihr eigener hat noch keinen Namen, braucht wohl auch keinen. Denn darauf hören würde er ohnehin nicht. Welcher Mops aus Knete hört schon auf sei-nen Namen? Dabei ist er "Moses" wie aus dem Gesicht geschnitten, noch etwas blass um die Nase zwar, aber er wird ja auch noch angemalt. . . 

Die elfjährige Rebecca gehört zu den acht Kindern, die diese Woche an einem Workshop in der Bildhauerwerkstatt "Kunsttäter" teilnehmen und dort nach Herzenslust mit Knetmasse, Speckstein und Holz arbeiten. Geleitet wird der Kurs von Andreas Hett. 

Den Kunsttherapeuten und Sozialarbeiter, der von der Bildhauerin Regina Planz unterstützt wird, kennt Rebecca bereits von einem vorigen Workshop. Auch Clemens (12) kennt sich in der Werkstatt auf dem Gelände der Feldbergschule schon aus, auch für ihn ist es der zweite Kurs. Diesmal hat er drei Schrumpfköpfe geformt. Die Idee dazu hatte er in einem Comic gefunden. Für gewöhnlich sind Schrumpfköpfe nicht mobil, die von Clemens schon, denn er bastelt für sie noch einen Bus aus Holz. 

Die 13-jährige Julia ist schon zum dritten Mal dabei. Sie modellierte einen dicken Apfel aus Knetmasse. Dabei hat sie an alles gedacht, was einen Apfel zum Apfel macht: "Er hat ein paar Runzeln und auch einen Wurm", erzählt sie stolz. Später wird der Apfel noch knackig grün und rot angepinselt. 

Und während die teils gegenständlichen, mitunter skurril wirkenden Kunstwerke im Regal vor sich hin trocknen und ihrer Bemalung harren, staubt es an den Werktischen. Die Arbeit mit Speckstein ist nichts für Saubermänner. Das mit Feilen abgeschliffene Steinpulver dringt bis in die letzte Ritze. Unter den Händen der Kinder entstehen weitere Kunstwerke. Einige werden zu einer Kette aufgefädelt, andere in ihrer ganzen Unterschiedlichkeit wie Schaschlik auf einen Spieß gesteckt. Julia schleift an einem größeren Block, in den sie zwei runde Löcher gebohrt hat. "Das wird ein Kerzenhalter", verrät sie. Er wird später poliert und mit Honigwachs eingerieben. 

"Speckstein ist ein wunderbares Material, mit etwas Fingerfertigkeit kommen die Kinder rasch zu großartigen Ergebnissen", weiß Andreas Hett. Anders als bei seinen "normalen" Kunstschülern – im Rahmen der Jugendgerichtshilfe arbeitet Hett in der Werkstatt mit straffällig gewordenen Jugendlichen Bewährungsauflagen ab, daher auch der Name "Kunsttäter" – lässt er beim Kinderworkshop den jungen Teilnehmern völlig freie Hand. Erst, wenn einem Kind gar nichts einfällt, geben er und Regina Planz den einen oder anderen Motiv-Tipp. Meist ist das jedoch gar nicht nötig, denn die kindliche Fantasie ist schier unerschöpflich. 

"Bei uns können sie sich selbst verwirklichen, nach Herausforderungen suchen", sagt Regina Planz. Sie und ihr Kollege stehen den jungen Künstlern lediglich beratend zur Seite und sagen auch schon mal rechtzeitig "Stopp", wenn das Material durch allzu heftigen Feileneinsatz im letzten Moment noch zu brechen droht. 

Beim Kneten besteht diese Gefahr nicht. "Wenn das erste Modell nichts wird, geht es eben von vorne los, einer hat vier Anläufe verworfen, der fünfte ist klasse", sagt Hett. Die Ideen kommen teilweise erst beim Kneten. "Wir arbeiten prozess- und nicht zielorientiert, das fördert auf beeindruckende, spielerische Art und Weise die Kreativität der Kinder", erläutert Andreas Hett das Konzept des Workshops. 

Am Freitag ist leider schon wieder Schluss. Doch der Termin für den nächsten Workshop steht bereits fest: die Woche vor Ostern. Dann sind wieder bis zu 14 Kinder zwischen 10 und 14 Jahren eingeladen, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen.